ma chère, 1997

an die Wand geschriebene Liebesbriefe
- bekommene und eigene und gelesene -
Meine Allerliebste,
Es ist wunderbar, ich bin wegefahren von dir, bin beim trampen eingeschlafen und als ich aufwachte hatte ich dein Gesicht vor Augen.
Du bist in mir drin, da kann ich wegfahren so viel und so weit wie ich will oder eher muss.
Wie hast du dich eingegraben bei mir?
Sind es deine Haare, deine Augen, die kleinen Lachfalten, die sich eingegraben haben?
E. A. Poe dachte, es wären die Zähne, die die Gedanken der Liebsten wie einen Dom beherbergen, andere schreiben, die Haare wären eingewachsene Erinnerungen, aktiv und passiv zugleich, Sender und Empfänger.
Ich glaube, es sind deine so wunderschönen Lachfalten, Quelle der Freude, du!
Mir sind diese so ins Herz gewachsen, dass sie mich sogar aufwecken können.

Mein Süsser!
Es ist so schön.
Die Welt ist so herrlich.
Ich muss noch immer lachen, wenn ich daran denke, wie du da hinter der Gemüsekiste gesessen bist.
Du, dass du das warst?!
Das warst ganz und gar du!
Und es war so lustig.
Es ist so schön, dass ich lachen kann, wenn ich an dich denke.
Mit dem Öl im Haar - schwarz, und dieses schmale blasse ginsende Gesicht.
Die Stimme so hell.
Das weisse Licht auf dir.
Du bist so herrlich, herrlich dämlich.
Warum sind diese Wörter so bedeutungsgegensätzlich...
Aber, was ich sagen wollte, ich bin soo glücklich mit dir.

Meine Geliebte!
Wie hast du deinen Süssen ausser Rand und Band gebracht?
Scherzen, lachen, springen, sogar tanzen möchte er, obwohl ihm das letztere sehr schwerfallen dürfte - war er doch nie ein guter Tänzer!
Du hast mir heute so viel Beglückendes ins Ohr geflüstert - du darfst es mir nicht verdenken, wenn ich aus dem Becher der Freude, Lust und Glückseligkeit schlürfe nach Herzenslust.
Du bist die Herrin meines Glücks, meines Lebens.
Ich glaube oft, du bist bei mir, ich spreche mit dir und lese in deinem Gesicht, wie dir alles gefällt, mit welcher Neugierde du alles anschaust und du alles Neue und Unbekannte auf dich einstürmen lässt.
Wenn ich den süssen Nachtisch bekomme, möchte ich ihn immer dir zuschieben.
Alles hat wieder Wert für mich, wenn ich an dich denke, was unaufhörlich der Fall ist ...
Ich kann fortan nur im Hinblick auf dich leben, atmen, sein.
Es sendet dir die herzlichsten unzähligen Umarmungen dein wonnetrunkener, liebevoller Engel und Millionen Küsse.

Zimmer 409
Katholische Akademie Berlin, 2001



Hotel Mövenpick Kassel, 2001