FOUR SEASONS, 1995/96

Lasuren auf Leinwand, Super-8 Film auf DVD, Monitor,
Deckenhalter, 240 x 496 x 60 cm
Durch tausend blühende Büsche wuchs mein Pfad nun vorwärts. Vom schroffen Abhang neigten lispelnde Bäume sich, und übergossen mein Haupt. Ich stand, sah fröhlich vor mich hin, genoß der reinen Lüfte des Himmels. Wie ein Meer, lag das Land, vor mir da, jugendlich, voll lebendiger Freude; es war ein himmlisch unendliches Farbenspiel, womit der Frühling mein Herz begrüßte, und wie die Sonne des Himmels sich wiederfand im tausendfachen Wechsel des Lichts, das ihr die Erde zurück gab, so erkannte mein Geist sich in der Fülle des Lebens, die ihn umfing, von allen Seiten überfiel. Verloren ins weite Blau, Blick ich oft hinauf an den Äther und hinein ins heilige Meer, und mir ists, als öffnet ein verwandter Geist mir die Arme, als löste der Schmerz der Einsamkeit sich auf ins Leben der Gottheit. Eines zu sein mit allem, was lebt, in seliger Selbstvergessenheit, wiederkehren ins All der Natur, das ist der Gipfel der Gedanken und Freuden, das ist die heilige Bergeshöhe, der Ort der ewigen Ruhe, wo der Mittag seine Schwüle und der Donner seine Stimme verliert und das kochende Meer der Woge des Korn feldes gleicht. Der Sommer war nun bald zuende; Ich fühlte nun schon die düsteren Regentage und das Pfeifen der Winde und Tosen der Wetterbäche zum Voraus, und die Natur stand jetzt schon da vor meinem verdüsterten Sinne, schwindend und in sich gekehrt wie ich selber ...

aus: Hyperion, Friedrich Höderlin